Das Sammelgrab auf dem Eberswaldenfriedhof Esslingen – Foto: J. Kuhn

Bereits seit 1946 wurde, wenn auch anonym, immerhin ungewöhnlich früh an die jüdischen Opfer, deren Asche auf dem Esslinger Eberswaldenfriedhof liegt, erinnert. Es handelt sich um 34 KZ-Häftlinge, 19 Opfer des Außenlagers Echterdingen und 15 Opfer des Außenlagers Hailfingen-Tailfingen, die am 18.7.2013 endlich aus der Anonymität geholt wurden, als das Grab durch neue Grabplatten mit Namen und Lebensdaten vervollständigt und eingeweiht wurde. Der schlichte Entwurf und die akkurate Ausarbeitung ist der Fellbacher Künstlerin Rotraud Hofmann zu verdanken.

Samuel Soesan 1903–1944, Inschrift auf der Grabplatte – Foto: J. Kuhn


Die Namen der „Echterdinger” Häftlinge waren bereits bekannt gewesen, als die Kulturwissenschaftlerin Gudrun Silberzahn-Jandt 2007 auf ein Dokument stieß, mithilfe dessen Volker Mall und Harald Roth die 15 fehlenden Namen herausfinden konnten. Es handelt sich um Häftlinge, die zwischen dem 4. und 9. Dezember 1944 starben.

Berry Soesan am Grab seines Vaters, 2013 – Foto: J. Kuhn

Erfolg hatten die Experten des KZ-Außenlagers Hailfingen-Tailfingen auch bei der anschließenden Suche nach Angehörigen der Verstorbenen: Berry Soesan (ausgesprochen: Susan), der Sohn von Samuel Soesan, konnte über 60 Jahre nach dem Tod seines Vaters benachrichtigt werden, wo sich dessen letzte Ruhestätte befindet. Damit bekam er endlich die Information, nach der seine Mutter bis zu ihrem Tod vergeblich gesucht hatte. Mitte 2010 reiste der Niederländer zur Eröffnung der Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen und konnte bei einem Besuch in Esslingen überzeugen, dass es auf Gräbern nicht nur üblich, sondern auch wichtig ist, die Namen der Verstorbenen zu nennen. Drei Jahre später nahm der einzige Angehörige, der bislang ausfindig gemacht werden konnte, in Begleitung seines Freunds Albert Andringa an der Anweihungszeremonie teil.

Samuel Soesan – Quelle: Berry Soesan

Viel von seinem Vater hat Berry Soesan nicht mehr in Erinnerung, da dieser ihm im jungen Alter von vier Jahren genommen wurde. Der gelernte Diamantschleifer, der zuletzt in einer Eisenwarenhandlung angestellt war, habe einen guten Charakter gehabt und sich sehr gut um die Familie gekümmert. Gerne habe er gelacht – eine Eigenschaft, die sein Sohn zweifelsohne mit ihm teilt.